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Das letzte Ziel meines Sabbaticals ist México. Bevor es zum Tag der Toten nach Oaxaca und dann zurück nach Deutschland geht, wollte ich mir noch eines der sieben neuen Weltwunder anschauen und die Cenoten, die mich bei der Online Recherche sehr beeindruckt haben. Die günstigsten Flugangebote brachten mich von Córdoba über die Anden nach Cancún. Viele Leute genießen hier den Strand und legen Stopps auf den vorgelagerten oder naheliegenden Inseln ein. Obwohl es bereits das Ende der Regenzeit war, hat es trotzdem ziemlich viel geregnet, so dass ich mich entschieden habe, direkt mit dem Bus weiter in das süße Städtchen Valladolid zu fahren. Später habe ich erfahren, dass es einen relativ neuen (und umstrittenen) Maya-Zug gibt, der die verschiedenen Maya-Stätten miteinander verbindet. Ausländer zahlen aber relativ hohe Preise für die Tickets. Valladolid ist ein nettes kleines entspanntes Städtchen mit kleinen Gassen und Cenoten direkt im Ort, wo man einfach mal kurz hinspazieren kann. Für die Touristen gibt es jeden Abend eine kostenlose Diashow an der Kirche mit der Geschichte der Mayas und des Ortes.

Von Valladolid aus konnte man dann verschiedene Touren zu alten Maya-Ruinen und zu diversen Cenoten unternehmen. Auch wenn mir gesagt wurde, dass es sich bei den Anlagen in Chichén Itza nicht um die schönsten Ruinen handelt, wollte ich es trotzdem einmal gesehen haben. Die Tatsache, dass die Stätte zu einem der sieben Weltwunder ausgewählt wurde, zieht natürlich sehr viele Touristen an. Etwas befremdlich war, dass auf dem gesamten Gelände an allen Wegen entlang Verkaufsstände waren. Aber uns wurde erklärt, dass es sich bei den Verkaufenden um Nachfahren der Maya handelt, die eine spezielle Genehmigung brauchen, um dort ihren Stand zu haben. Auf jeden Fall hat Chichén Itza den größten Platz für das traditionelle Ballspiel. Mir ist es allerdings ein Rätsel, wie die schweren Kautschuk-Bälle es jemals in die hohen und verhältnismäßig kleinen Tore geschafft haben, zumal es immer sehr heiß war und die Mayas waren sehr klein. Meine Motivation hätte sich auch in Grenzen gehalten, da die besten Spieler den Göttern geopfert wurden. Eine Mauer mit all den Schädel-Abbildungen zeugt davon. Aber das waren halt andere Zeiten damals. Insgesamt war die Anlage sehr beeindruckend und abseits von den wichtigsten Ruinen konnte man sogar eine Cenote und ein paar Tiere entdecken. Insgesamt war es sehr heiß, so dass die Abkühlung in einer Cenote auf dem Rückweg sehr gut tat.

Das Hostel in Valladolid, in dem ich untergebracht war, bot Fahrradverleih an und hatte eine Empfehlung für eine Tour zu verschiedenen Cenoten. Das war natürlich wie für mich gemacht. Da ich mich zu lange an den ersten Cenoten aufgehalten habe und zudem noch vor einem Gewitter Unterschlupf suchen musste, habe ich nicht alle Cenoten auf der Route geschafft. Aber ich habe es genossen, teilweise allein oder nur mit wenigen Menschen in den Cenoten zu sein. Vor allem die mehr unterirdischen Cenoten fand ich extrem beeindruckend. Zugleich war es eine gute Abkühlung vom Fahrradfahren in der Hitze.

Wegen der Busverbindungen war mein nächster Stopp Mérida, die Hauptstadt von Yucatan. Eigentlich wollte ich dort zunächst gar nicht hin, aber dann war es doch ganz nett, denn es gab coole Cafés mit Live Musik und tolle Beilagen, wenn man eine Flasche Bier bestellt hat.

Von Mérida ging es mit einem Zwischenstopp von einem Tag (morgens Ankunft und Abends Weiterfahrt) in Campeche am Meer weiter nach Palenque. Campeche hat viele farbenfreudige Häuser, alte Befestigungsanlagen, und eine sehr lange Strandpromenade. Früher gab es hier wohl viele Piraten. Der Strand, an dem ich eigentlich baden wollte, war leider gesperrt wegen Wind, glaube ich. Aber beim Bestellen eines Biers habe ich wieder so viele Snacks bekommen, dass ich das Ceviche, was ich als eigentliches Essen bestellt hatte, gar nicht mehr gebraucht hätte. Aber so war ich gut gerüstet für die lange Busfahrt über Nacht.

In der Umgebung von Palenque in Chiapas gibt es einige autonome Regionen/Orte, freilaufende Truthähne und schöne Wasserfälle, die interessante Ausflugsmöglichkeiten bieten.

Neben den Wasserfällen gibt es in der Umgebung und sogar direkt im Ort interessante und bedeutende Ausgrabungsstätten der Maya-Kultur. Einige, wie Yaxchilan, sind mitten im Urwald und nur mit einem Boot zu erreichen. Die Fahrt über den Fluss dorthin hat mich etwas an den Amazonas erinnert. Man findet hier im Gegensatz zu vielen anderen Ausgrabungsstätten noch gut erhaltene Steinskulpturen und im nahegelegenen Bonampak auch gut erhaltene Farben und Bilder in einigen Gebäuden. Es gibt aber auch eine große Ausgrabungsstätte direkt im Ort mit Pyramiden und einer Grabstätte zur Besichtigung. Vor Spinnen und Fledermäusen sollte man allerdings bei der Besichtigung von innen keine Angst haben, ebensowenig wie vor Höhe bei den Pyramiden und hohen Tempeln. Die steilen Treppen der Pyramiden sind eine echte Herausforderung, die einige auf allen Vieren bewältigten, was immer ein schönes Bild zum Schmunzeln gab. Ich hab mich immer wieder gewundert, wie die kleinen Menschen damals das geschafft haben. Aber ein Guide meinte, dass es durchaus gewollt war, dass man seitwärts und mit Unterstützung der Hände hoch ging, um den Göttern Respekt zu zollen.

Die nächste Etappe meiner Reise nach San Christobal habe ich im Rahmen einer Tour gemacht. Dadurch konnte ich auf dem Weg noch ein paar Wasserfälle besichtigen und mich bei einem Bad etwas abkühlen. Aufgrund der Wassermassen war es aber, wie auch zuvor schon in Palenque, gar nicht so einfach, einen Platz zu finden, wo man keine Angst haben musste, weggespült zu werden.

San Christobal de las casas war aufgrund seiner Höhenlage wesentlich kühler, vor allem in der Nacht, was ich sehr angenehm fand. Insgesamt war ich von der Stadt sehr positiv überrascht und das Flair dort mit den vielen netten Cafés, Bars und Restaurants und den Leuten hat mir sehr gefallen. Viele Leute waren noch sehr traditionell und trugen auch entsprechende Kleidung, z.B. Röcke aus Schaffellen. Die kleinen Kinder oder auch die Verkaufswaren wurden in Tüchern getragen. Es gab viele Graffitis und überall bunte Sachen zu kaufen und alles war ziemlich entspannt. Fußläufig gab es einen schönen Ort mitten in der Natur an einem Fluss mit einem durch ein Kollektiv betriebenen kleinen Kaffee und Konzerten. Mir hat es so gut gefallen, dass ich meinen ursprünglichen Plan, direkt weiter ans Meer zu fahren, nicht umgesetzt habe und ein paar Tage länger dort geblieben bin. So konnte ich auch noch vor meiner Abreise mit Miriam in ihrer Küche Tamales machen.

In den Dörfern in der Umgebung wurden noch alte Rituale bewahrt, die teilweise in den Kirchengebäuden direkt oder in separaten Räumlichkeiten dahinter gepflegt wurden. Teilweise ist es Personen von außerhalb erlaubt, Rituale wie Hühneropferungen o.ä. anzuschauen, aber Foto- oder Videoaufnahmen sind streng verboten. Die Jungfrau von Guadalupe hat eine besondere Bedeutung hier, weil sie den einheimischen Glauben mit der katholischen Religion verbindet. Man könnte meinen, die katholische Kirche hätte dazu entsprechende Geschichten verbreitet, aber das scheint die Leute hier eher nicht zu interessieren. Das Kreuz gab es auch in der Maya-Kultur schon als Darstellung des Lebensbaums. Deshalb sind einige Kreuze vor den Kirchen auch mit Zweigen verziert. Und auf dem Markt kann man ein Kreuz für zu Hause kaufen.
Die Kinder lernen hier sehr früh von den Eltern die Herstellung von Teppichen, Bettwaren u.ä. oder Kleidung jeglicher Art durch Handarbeit wie Spinnen, Weben oder auch Sticken, wobei die Aufteilung der Arbeiten in den einzelnen Familien unterschiedlich erfolgt.

Von San Christobal ging es weiter nach Oaxaca. Die Stadt ist insbesondere für gutes Essen und Mezcal sowie ihre Feierlichkeiten zum Tag der Toten bekannt ist. Dementsprechend voll war es zu der Zeit. Die Unterkünfte waren alle ausgebucht oder die wenigen verbliebenen nur noch zu völlig überteuerten Preisen zu haben. Ich wurde vorgewarnt und hatte zum Glück noch rechtzeitig gebucht, aber dieses Ausmaß des Ansturms an Besuchenden hatte ich nicht erwartet. In der Stadt selbst war sehr viel los. Überall gab es irgendwelche Veranstaltungen, Musik, Theater, Schminkstationen und kleine und größere Umzüge auf den Straßen wie zu Karneval. Auf den Märkten gab es diverse Süßigkeiten in Form von Totenköpfen und Brot mit kleinen Heiligenfiguren (Brot der Toten) und als besondere Spezialität heiße Schokolade mit dem „Brot der Toten“. Ich hatte eine Tour über den riesigen Markt mit Essensverkostung gebucht, ummöglichst viele Sachen zu probieren. Frittierte Grillen sind hier eine besondere Spezialität neben Streifenkäse und diversen Getränken, deren Zusammensetzung mir allerdings nicht immer ganz klar war. Aber geschmeckt hat eigentlich alles.

In der Umgebung von Oaxaca gibt es ein paar nette Wandermöglichkeiten und einen beeindruckenden versteinerten Wasserfall. Davon gibt es weltweit wohl nur zwei (der andere ist in der Türkei). Auf dem Weg dorthin haben wir noch einen Stopp am weltweit breitesten Baum eingelegt. Böse Zungen behaupten, er wäre wie die Einwohner von Oaxaca eher breit als hoch. Ein weiterer Stopp war bei einer Familie, die Textilwaren in traditioneller Art aus Wolle herstellt. Die Farben und Muster fand ich sehr beeindruckend. In Mitla gab es dann noch alte Tempel und Wohnanlagen der Zapotec zu sehen, bevor es zu den versteinerten Wasserfällen ging.

In der Umgebung findet man nicht nur weitere antike Stätten, wie z.B. auf dem Monte Alban, wo die Bergspitze extra für eine Siedlung abgetragen wurde. Auf dem Weg sieht man sehr viele Agavenfelder für die Mezcal-Produktion sowie auch noch traditionelle Mezcal-Brennereien. Neben Mezcal-Verkostungen kann man im Rahmen einer Besichtigung auch lernen, wie man Mezcal herstellt.

Das Highlight war für mich der Besuch von zwei Friedhöfen, wo die Familien sich an den Gräbern zusammengefunden haben, um mit den Verstorbenen zusammen zu feiern, oft die ganze Nacht. Alles war toll geschmückt. Überall brannten Kerzen und die Stimmung war wie auf einem Volksfest. Früher gab es wohl mehrere solche Tage im Jahr unterschiedlich nach Region. Die Konzentration auf einen Tag im Jahr an Allerheiligen ist sicher der katholischen Kirche geschuldet. Aber immerhin werden die alten Bräuche und Traditionen aufrecht erhalten.

Vor meiner Rückreise nach Deutschland wollte ich noch einmal wenigstens für ein paar Tage ans Meer. Der Plan war mit dem Bus zunächst nach Puerto Escondido und von dort weiter nach Mazunte zu fahren. Da alle normalen Busse ausgebucht waren, musste ich mich durchfragen, von wo die Kleinbusse, die sogenannten Collectivos, abfahren. Das Gepäck wurde oben auf dem Bus festgeschnallt und los ging es durch die Berge an den Pazifik. Von Puerto Escondido hieß es dann wieder durchfragen, wie es weiter geht. Hier musste man einen Bus der Firma Dolphins an der Straße anhalten, um dann ca. eine Stunde bis zum Abzweig nach Mazunte zu fahren. Man wird dann auf Anfrage an der Straßenkreuzung abgesetzt und kann auf das nächste Collectivo warten oder alternativ den Preis für ein Taxi verhandeln. Da bereits mehrere Leute gewartet haben und kein Collectivo in Sicht war, habe ich mir mit anderen Reisenden ein Taxi geteilt. Diese Art des Reisens so ohne Fahrplan und Ahnung, wie es wirklich funktioniert, ist schon sehr gewöhnungsbedürftig für mich gewesen. Aber erstaunlicherweise hat alles sowohl auf der Hin- als auch auf der Rückfahrt gut funktioniert und meine Spanischkenntnisse haben ausgereicht, um jeweils an der richtigen Stelle auszusteigen und den weiteren Weg zu finden. Zurück hat es sogar mit dem Collectivo bis zur Straßenkreuzung und ohne Taxi geklappt. In Mazunte kann man super chillen, diverse Bootstouren machen, Delphine und Wale sehen und schnorcheln. Wenn man Glück hat, kann man sogar mit Delphinen schwimmen. Das hat bei mir leider nicht geklappt, aber ich konnte noch im Nachbarort ein paar gerade geborene Schildkröten auf den Weg ins Wasser bringen.

Nach einer Zwischenübernachtung in Puerto Escondido ging es dann wieder zurück nach Oaxaca und von dort mit dem Flugzeug über Mexiko City und Paris weiter nach Berlin und wieder nach Hause nach Rostock. Irgendwie war das Jahr dann doch sehr schnell vorbei.

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