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Von Südafrika auf die Galápagos-Inseln zu kommen, ist nicht ganz einfach. Für mich ging die Route über Sao Paolo nach Lima, von dort nach Quito und dann nach Baltra auf den Galápagos Islands, um Kosten zu sparen nur mit Handgepäck (zum Glück konnte Teo schon ein paar Sachen mit nach Deutschland nehmen). Von Baltra wurden die meisten Touristen von Tourveranstaltern zu ihren Kreuzfahrtschiffen abgeholt. Für mich ging es nach der Gepäckkontrolle durch Hunde mit einigen anderen weiter in einem kleinen Bus zu einem kleinen Hafen, wo ein kleines Boot uns auf die andere Uferseite gebracht hat. Dort wartete wieder ein kleiner Bus auf uns, mit dem wir nach Puerto Ayora gefahren sind. Insgesamt war ich 38 Stunden unterwegs. Dementsprechend müde war ich bei der Ankunft und auch die Zeitverschiebung war zu merken. Zum Glück hatte ich ein kleines süßes und vor allem ruhiges Zimmer, wo ich mich erstmal ausruhen konnte.

Natürlich musste dann erstmal der Ort besichtigt werden. Es ist schon erstaunlich, wie viele Tiere es direkt im Ort schon am Hafen gibt, Robben, Pelicane, marine Iguanas (oder auch Galápagos- oder Meerechsen genannt), andere Vögel und im Wasser Schildkröten und Baby-Haie. Mittagessen konnte man auch gut direkt am Hafen – Suppe und Hauptgang mit Getränk für 6$ – mit Blick auf die Fischerboote und deren Fang und auf Pelicane, die hofften, etwas abzukriegen.

Ich habe mich auch gleich zu einer Boots-Tour überreden lassen. Die Tour war sehr schön und ich hatte Glück und konnte mit Schildkröten tauchen und ziemlich nah brütende Blaufußtölpel sehen. Interessant waren auch die natürlichen Becken mit Zugang zur See, die von Haien als Schlafstätte oder auch wie in der türkisfarbenen Liebesbucht zur Vermehrung genutzt wurden. Leider waren die Haie wohl gerade versteckt am Schlafen und nur eine einzelne Schildkröte ließ sich kurz blicken.
Die hohen Preise für die Tourangebote haben mich allerdings schockiert, zumal man viele Sachen nicht ohne Tourenguide machen darf und viele Ziele auch nicht allein erreichen kann. Die Wassertaxis waren aber komischerweise teilweise sehr günstig.

Einige Ziele, wie z.B. den Tortuga Bay, konnte man zum Glück mit einem etwas längeren Fußmarsch selber erreichen, was ich auch am nächsten Tag gemacht habe. Allerdings habe ich dort keine Schildkröten gesehen, aber es gibt wohl sehr viele Brutstätten dort. Wahrscheinlich war einfach nicht die Saison. Für manche Dinge ist ein Guide dann wohl doch hilfreich. Schwimmen darf man wegen zu starker Strömung leider auch nicht, aber ein Stück weiter gibt es einen geschützten Badestrand, wo man sogar Paddelboote ausleihen kann. Ich habe gehört, dass die Leute vom Boot aus Schildkröten und Haie gesehen haben, aber für mich reichte die Zeit leider nicht, da ich rechtzeitig zurück am Hafen für die Fähre nach Isabella sein musste. Dafür habe ich mir auf dem Rückweg noch ein buntes Wassereis, wie sie hier an Ständen verkauft werden, gegönnt.

Am Nachmittag ging es mit der Fähre auf die Nachbarinsel Isabella. Das Boot für die etwa zweistündige Fährüberfahrt mit 45 Leuten hatte ich mir irgendwie etwas größer vorgestellt. Zum Boot hin wurde man von einem der kleinen Taxiboote gebracht. Das Gepäck kam einfach locker auf den Bug. Ich möchte nicht wissen, wie viele Koffer da schon im Wasser gelandet sind. Ich hatte den Tipp bekommen, mich möglichst nach hinten zu setzen, weil es dort beim Motor nicht so schaukelt und man nicht so schnell seekrank wird. Ich war dann aber eine der Letzten und froh, dass ich nicht ganz hinten saß, denn die Leute dort haben nach einer Weile Regencapes bekommen, weil sie ständig von den Wellen naß wurden. Seekrank bin ich zum Glück auch nicht geworden, aber es war schon ein kleines Abenteuer.

Am Hafen warten unscheinbare Pickups, die als Taxi fungieren und einen ins naheliegende Dorf bringen. Dort machte ich einen kurzen Stopp im örtlichen Supermarkt und ein erneutes Staunen über die hohen Preise, die man auch erst an der Kasse erfährt, weil nichts ausgezeichnet ist. Anschließend ging es weiter mit einem Taxi zu einer abgelegenen Farm, wo ich mich für zwei Wochen über workaway angemeldet hatte. Die Regel ist, dass man ca. drei Stunden am Tag auf der Farm hilft und dafür mindestens eine kostenlose Unterkunft bekommt. Bei anderen Einrichtungen gibt es teilweise andere Regeln und auch Essen kostenlos dazu. Das gab es hier nicht, aber Orangen, Mandarinen und Bananen konnte ich essen, soviel wie ich wollte. Es gab auch Papaya, Guaven und Ananas, aber nicht so viel, zumindest nicht reif. Am Weg zur Farm konnte man Pomelo und Maracuja finden. Ansonsten ist das Gelände riesig, es gibt Hunde, Ziegen, Schweine, die aussehen wie Wildschweine, Hühner, Enten, ein Pferd und viel Natur und Ruhe. Oh ja, und vor Spinnen sollte man lieber keine Angst haben. Mücken gab es zum Glück nicht so viele, weil es mit 18 Grad nachts recht kühl war.
Zur Bushaltestelle sind es 35 Minuten Fußweg und es fährt ein Bus ins nächste Dorf Puerto Villamil (mit 2200 Einwohnern der größte Ort auf der Insel) morgens um 7:30 Uhr und einer um 15 Uhr. Zurück geht es um 13:30 Uhr oder teuer mit dem Taxi, falls man eins findet, das weiß, wo die Farm ist. Eine Adresse gibt es nicht. Aber wer mag, kann mal El Sanctuario suchen und findet dort veraltete Informationen. Die Wahrscheinlichkeit, dass man jemanden trifft, wenn man von der Farm aus spazieren geht, ist ziemlich gering.

Was macht man, wenn man zu viele Orangen hat, die niemand kaufen will, weil alle selbst Orangen und Mandarinen haben? Gleiches gilt für Bananen. Eine meiner Aufgaben war Ernten, Waschen, Schneiden und ab zum Trocknen in den Dörrautomaten. Ansonsten habe ich Unkraut “geerntet” und a die Schweine verfüttert und Bananenpflanzen von alten Blättern und zu kleinen neuen Pflanzen befrei. Zur Ernte der Bananenstauden, muss die ganze Pflanze mit der Machete gefällt werden.

An meinen freien Tagen bin ich ins Dorf gefahren und habe mich dort auf Entdeckungstour begeben. Es gibt einen schönen Wanderweg durch den Nationalpark an der Küste entlang mit mehreren Stopps an einer Lavahöhle, verschiedenen kleinen Stränden und Teichen auf der vom Meer abgewandten Seite. Am Ende ist die Mauer der Tränen, eine Mauer aus vielen kleinen Steinen mitten in der Landschaft, die die Gefangenen eines ehemaligen Straflagers errichten mussten.
Auf dem Weg hat man gute Chancen, auf wild lebende Landschildkröten und auch einige andere Tiere, vor allem viele Meerechsen, zu treffen.

Auf die schwierige Erreichbarkeit der Farm hatte ich ja schon hingewiesen. Morgens fuhr der Bus planmäßig und brachte vor allem Grundschulkinder zur nächsten Schule und Farmer mit ihren Obst- und Gemüsekisten oder auch Käse und Wurst ins Dorf zum Markt. Auf dem Weg kommt man an einer KFW-geförderten Solaranlage vorbei. Ich war etwas verwundert, als ich das Schild gesehen habe.
Lustig ist dann, wenn auf der Rückfahrt statt eines Buses auf einmal ein LKW mit ein paar Sitzen an der Haltestelle steht und sich herausstellt, dass es nicht genug Plätze für alle gibt. Es ist gleichzeitig auch der Schulbus. So mussten Einige dann auf die Ladefläche Platz nehmen. Aber alle haben es mit Humor genommen und wahrscheinlich kennen die Einheimischen das schon und haben sich über meinen verdutzten Blick amüsiert. Ich habe nicht verstanden, wie das mit den Haltestellen funktioniert, aber manchmal wurde einfach laut ans Fahrerhäuschen geklopft und dann wurde an irgendeinem Feldweg, der ein Eingang zur Farm war, gehalten. Ich hatte ein bisschen Angst, dass ich meine Haltestelle verpasse, zumal es weder Straßennamen noch einen Namen für die Haltestelle gibt. Aber an meinem Stopp sind noch zwei Personen ausgestiegen und so musste ich nicht dem Fahrer Bescheid geben und hatte genug Zeit für die Wiedererkennung. Somit ist alles gut gegangen und auch den Weg zurück zur Farm habe ich wieder gefunden und für die Mitnahme von Maracujas und Pomelos am Wegrand genutzt.

Ein paar Kilometer von der Farm entfernt gab es eine Lavahöhle zu besichtigen. Ich habe die Gelegenheit für eine kleine Wanderung genutzt bevor ich nach zwei Wochen die Farm wieder verlassen habe. Ich war ganz froh darüber, da es auf der Farm ansonsten recht langweilig war.

Eine Tour zu Lavatunneln im Wasser hat mich besonders gereizt. Beim Schnorcheln soll man viele Tiere sehen können, u.a. auch Haie und Seepferdchen und auf dem Weg Pinguine und Blaufußtölpel. Es war nicht zuviel versprochen. Gleich zu Beginn der Tour noch am Hafen war ein großer Rochen im Wasser und auf dem Weg konnten wir Buckelwale sehen. Die Pinguine saßen auf einem Felsen und waren vom Boot aus und auch beim Schnorcheln aus dem Wasser zu bewundern und sogar eines der seltenen Seepferdchen haben wir gefunden. Die Blaufußtölpel haben sogar ihren Paarungstanz vor uns aufgeführt und in einer Höhle unter Wasser waren mehrere ruhende Haie zu sehen.

Eine weitere Tour führte mich zum Vulkan Sierra Negra mit Schwefelfeldern, zu denen man vom Kraterrand runter wandern konnte. Ausserdem hatte man, nachdem es etwas aufgeklart ist, einen tollen Blick von dort auf den Vulkan Cerro Azul und das Meer.

Natürlich wollte ich auch noch die Insel San Christobal besuchen. Also habe ich mich früh morgens um 7 von Isabella verabschiedet und die Fähre nach Santa Cruz genommen. Dort muss man dann bis zum Nachmittag um 3 auf die Fähre nach San Christobal warten. Aber zum Glück gibt es eine Gepäckaufbewahrung, so dass man die Zeit in Santa Cruz noch für Shopping und/oder Ausflüge nutzen kann. Nach all den Schildkröten auf Isabella habe ich mir den Besuch im Darwin-Museum dort gespart, aber dahinter ist ein ganz netter Strand, wo man auch etwas Schnorcheln und sich die Zeit vertreiben kann. Man muss nur aufpassen, dass man sich nicht die Bank von einem der Seelöwen streitig machen lässt und dann auch seine Sachen wieder sicherstellen kann. Auf dem Weg gibt es noch Keramik-Kunstwerke, ein bisschen Street Art und Robben und Pelicane beim Betteln am Fischmarkt zu bewundern.

San Christobal ist ähnlich touristisch wie Santa Cruz und für seine vielen Seelöwen und tolle Tauch- und Schnorcheltouren bekannt. Vor allem die 360 Grad Tour mit dem Boot rund um die Insel mit verschiedenen Stopps, Blick auf die Vulkanlandschaft und ins Meer fließende Wasserfälle und der Kicker Rock zum Schnorcheln und Tauchen sind sehr beliebt. Wenn man wie ich Glück hat, kann man unterwegs auch Buckelwale und Delphine sehen. Das Highlight sind dann aber die Hammerhaie und Rochen am Kicker Rock. Nur das Fotografieren der ganzen Tiere im Wasser ist natürlich nicht so einfach.

Wenn man nicht viel Geld für Touren oder Cocktails am Abend ausgeben will, gibt es auf San Christobal nicht viel zu tun. Nachdem ich herausgefunden habe, dass man auch mit einem kleinen Flugzeug nach Isabela fliegen kann, habe ich mich entschieden, die letzten Tage noch entspannt auf Isabela zu verbringen. Der Flug war auf jeden Fall ein Highlight, auch wenn es leider stark bewölkt war, so dass man außer der Spitzen der Vulkane nicht viel sehen konnte. Aber so direkt hinter dem Piloten zu sitzen und ihm über die Schulter zu gucken, war schon spannend. Und es war total entspannt. 15 Minuten Fußweg vom Hotel zum Flughafen, Check-In eine Stunde vor Abflug, Boarding 15 Minuten davor und man steigt ein wie in ein Auto. Weil es zu viele Leute waren, gab es zwei Flieger. Sie haben direkt hinter dem Bürogebäude geparkt. Auf Isabella steigt man dann auch einfach aus, nimmt sein Gepäck aus dem Kofferraum und spaziert los.

Auf Isabela man mit einer tollen ewig langen Küste, vielen Stränden, die nicht nachts geschlossen werden und einem tollen frei zugänglichen Platz zum Schnorcheln an der Concha de Perla mehr Gelegenheit noch ohne viel Geld und Touren seine Zeit zu verbringen. Dort habe ich bis auf Pinguine, die es auch gelegentlich geben soll, eigentlich so ziemlich alles gesehen, verschiedene Fische, Schildkröten, Haie, Seelöwen, Rochen, Seesterne und sogar fluoreszierenden Algen. Isabella ist auch nicht so touristisch, so dass man sich den Strand nicht mit vielen anderen teilen muss. Und es gibt sogar Flamingos mitten im Ort. Ich hab mich immer gefragt, wie die Autos auf die Insel kommen und dann habe ich tatsächlich gesehen, wie ein LKW auf einem Floß etwas abenteuerlich transportiert wurde. Wie er dann a den Strand und von dort weiter gekommen ist, konnte ich allerdings nicht mehr sehen. Das hat doch alles ziemlich lange gedauert.

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