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Von den Galápagosinseln ging es über Peru mit vier Flügen in insgesamt über 24 Stunden nach Rio de Janeiro. Meine Tochter Ronja hatte gerade ihr Auslandssemester dort angefangen. Saul, meinen ehemaligen Austauschschüler aus Brasilien, konnte ich leider nicht treffen, weil es zeitlich nicht passte. Ich musste mich erstmal ausschlafen, an die Zeitumstellung gewöhnen und die Gegend erkunden bevor es auf größere Ausflüge und Wanderungen ging. Von Ronjas Unterkunft in Santa Teresa aus hatte man einen tollen Blick über die Stadt und zum Strand und auch zum berühmten Zuckerhut war es nicht weit. Theoretisch ist alles zu Fuß erreichbar und man kann stundenlang am Strand entlang wandern. Überall findet man Graffiti und alte VW-Busse sowie neben Caipirinhas Eisenbahn und Spaten Bier. Auf einigen Plätzen gibt es regelmäßig Samba, sei es für die Touristen mit teilweise riesigen Menschenmassen, oder die Nachbarschaft in kleinerem entspannten Rahmen. In den Kneipen laufen Fußball oder Telenovelas oder Public Viewing für eine sehr beliebte Drag-Queen-Show (ähnlich wie Germanys Next Top Model bei uns).

Auf den Zuckerhut kommt man mit einer Seilbahn, um den tollen Ausblick zu genießen, der vor allem zum Sonnenuntergang beeindruckend ist.

Ich fand es erstaunlich, wie nah an der Stadt bzw. mitten in der Stadt der Nationalpark Tijuca mit mehreren Wanderrouten ist. Dort kann man Wasserfälle und Höhlen sowie diverse Flora und Fauna bewundern. Auffällig waren die vielen Jackfrüchte. Wir haben auch Äffchen und sowas wie Waschbären (wahrscheinlich Nasenbären) und mit etwas Glück einen Tucan gesehen. Faultiere und Capybaras haben wir leider nicht gefunden. Eine Route im Nationalpark führt direkt hoch zur berühmten Jesus-Statue. Die meistern Touristen nehmen allerdings den Zug oder ein Sammeltaxi und vermeiden den anstrengenden und wohl auch nicht ganz ungefährlichen Aufstieg (gelegentlich gibt es wohl Überfälle auf Touris).

Auch im botanischen Garten der Stadt kann man gut etwas Zeit verbringen und z.B. die Orchideen-Ausstellung ansehen oder eine Reihe von Tucanen und anderen Vögeln sowie Äffchen beobachten. Man findet dort einige unserer Zimmerpflanzen. Ich hatte schon kurz überlegt, Ableger mitzunehmen, aber sowas macht man ja wohl nicht und wahrscheinlich würden sie die weitere Reise auch nicht überleben.

Um mal etwas rauszukommen aus der Stadt, bin ich mit Ronja für ein verlängertes Wochenende zur Insel Ilha Grande gefahren. Es ist nicht weit und man braucht nur ca. 1,5 Stunden zum Hafen und mit dem Schnellboot 20 Minuten für die Überfahrt, aber die Logistik war etwas herausfordernd für mich. Ich wollte Geld sparen und keine Tour buchen und so hatten wir eine nette Fahrt mit BlaBlaCar mit einer brasilianischen Mutter und ihren zwei Töchtern. Aber als wir am Hafen ankamen, gab es keine Fähre und kein Taxiboot. Wir hätten wahrscheinlich zu einem anderen Hafen fahren müssen. Aber ein netter Mann hat uns dann angeboten, uns einfach privat rüberzufahren. Das mit dem Geld sparen hat so nicht geklappt, aber wir konnten uns kurz auf dem Boot wie VIP fühlen. Der Ort war sehr klein und nett und man konnte am Strand chillen oder verschiedene Ausflüge buchen. Wir haben einen Bootsausflug inklusive Schnorcheln gemacht und waren einmal nachts Paddeln, um fluoreszierendes Plankton und den tollen Sternenhimmel zu sehen. Das war sehr beeindruckend.

Da Ronja dann wieder zur Uni musste, habe ich mich anschließend allein auf den Weg in den Norden des Landes gemacht – zunächst nach Salvador. Hier war der wesentlich höhere Anteil afrikanischer Abstammung in der Bevölkerung (80%) deutlich sichtbar nicht nur bei den Leuten, sondern auch beim Essen und der Musik überall. Michael Jackson hat hier mal ein Musikvideo gedreht und es gibt überall Samba. Eine der bekanntesten Schulen war direkt gegenüber von meinem Hostel und ich konnte manchmal von oben aus dem Fenster zuschauen. Nachdem die Altstadt vor ein paar Jahren zum UNESCO-Weltkulturerbe ernannt wurde, hat auch dort die Gentrifizierung begonnen und Leute wurden umgesiedelt und einige Luxus-Hotels gebaut. Auf der anderen Seite ist aber noch viel marode und man findet leerstehende verfallene Häuser direkt neben den Luxus-Hotels. Ansonsten habe ich mich dort durch die Gassen treiben lassen und die Grafitis bewundert, eine Bootstour zu einer gegenüberliegenden Insel gemacht, das Karnevalmuseum und eine Kunstausstellung besucht (mittwochs ist immer Eintritt frei), Capoeira probiert und festgestellt, dass es nicht mein Sport ist, mich im Trommeln und im Kochen geübt, Streetfood probiert und abends die Sambagruppen oder andere Musik und Tänze bewundert. Am Sonntag habe ich ganz wie die Einheimischen auch schon mal mittags meinen ersten Cocktail geschlürft, aber danach dann auch erstmal ein Mittagsschläfchen gebraucht. Mir hat die Atmosphäre dort sehr gefallen, auch wenn die Verständigung schwierig war, weil niemand Englisch spricht und man auch mit Spanisch nicht so einfach weiterkommt. Und anders als in anderen lateinamerikanischen Ländern wird man hier nicht angesprochen, so dass ich leider kaum mit anderen Leuten in Kontakt gekommen bin außer bei den Kursen. Trotzdem würde ich einen Besuch auf jeden Fall empfehlen.

Von Salvador ging es dann weiter in den Amazonas nach Manaus.

Nachdem ich am ersten Tag noch etwas die Stadt erkundet habe, ging es am nächsten Tag abwechselnd mit Bussen und Booten zum Amazonas. Ich hatte eine Tour in den Regenwald gebucht mit zwei Übernachtungen, davon eine in der freien Natur nur in der Hängematte unter einem Regenschutz. Mit Holzhütten inklusive Toilette und Dusche und Vollverpflegung als Buffet war die erste Unterkunft noch sehr luxuriös. Mit dem Boot ging es den Sonnenuntergang bewundern, baden und nach Delphinen und Alligatoren Ausschau halten. Mir war es etwas mulmig, im Amazonas Baden zu gehen, nicht nur, weil man aufgrund der ganzen Pflanzen und Ablagerungen im trüben Wasser gar nichts sehen kann aber weiß, dass nicht nur Delphine, sondern auch Alligatoren und Piranhas im Wasser schwimmen. Aber unser Guide meinte, sie würden nur die Einheimischen mögen und wir wären sicher. Na gut. Für die Mücken galt das wohl nicht so ganz. Ich hatte von der Gruppe vorher schon gehört, dass sie in der Nacht etwas leiden mussten und auch ich bin trotz starken Mückensprays und langer Kleidung nicht verschont geblieben, während die Guides behauptet haben, es hätte fast keine Mücken gegeben. Neben Angeln (leider ziemlich erfolglos), einer kleinen Wanderung und Naturheilkunde sowie einem Ausflug zu einem riesigen Baum stand auch ein Besuch bei einer einheimischen Familie auf dem Programm. Während der Vater unterwegs zum Fischen war, hat sich die Mutter um den Haushalt gekümmert und das zehnte Kind schlummerte friedlich in der Hängematte. Die jüngeren Kinder waren ganz eifrig, uns ihre Kletterkünste und ihre Fähigkeiten im Bogenschießen zu zeigen und haben immer wieder die Pfeile von unserer Gruppe zurück geholt. In dem kleinen Dorf gibt es ein Gemeindezentrum und von Februar bis Anfang September eine Schule auf dem Hügel und ein Schulboot, dass die einzelnen Kinder aus der Umgebung zur Schule bringt. In den anderen Monaten, wenn kein oder nur wenig Wasser gibt, findet keine Schule statt. Der Weg wäre zu Fuß zu weit. Mit den größeren Kindern der Familie wurde anschließend noch Fußball gespielt und gebadet.

In der Umgebung von Manaus gibt es noch ein paar schöne Höhlen und die President Figueiredo Wasserfälle. Das wollte ich mir natürlich nicht entgehen lassen und habe daher eine weitere Tour gebucht. Besonders toll fand ich, dass man in einigen Wasserfällen baden und sich vom Wasser massieren lassen konnte.

Natürlich wollte ich auch noch die pinken Fluß-Delphine sehen, was einen weiteren Ausflug wert war. Zunächst ging es hier aber erst einmal zum „Meeting of the Waters“, wo die Flüsse aufeinandertreffen und man gut das braune Wasser vom Lehm aus den Bergen von Peru und das schwarze Wasser von den Pflanzen aus dem Amazonas unterscheiden kann. Aufgrund der unterschiedlichen Temperaturen vermischen sie sich auch nicht so schnell. Danach ging es „Angeln“. Das war mehr ein Füttern von ziemlich großen Fischen mit kleinen Fischen, bei dem man mal die Kraft der großen Fische spüren konnte. Ich glaube, ich hätte nie einen davon hochziehen können. Der anschließende Besuch bei einem einheimischen Stamm war dann ganz anders als beim vorherigen Ausflug, aber so, wie man es typischerweise touristisch erwartet. Man konnte dort auch noch über einen langen Steg entlang wandern. Leider war nicht die Jahreszeit der Seerosen, ansonsten hätte man noch sehr viele riesige Seerosen sehen können. Einen riesigen Baum gab es noch zu bewundern und das Konstrukt des Stegs, was sehr abenteuerlich war und beim TÜV nie genehmigt worden wäre.

Und dann ging es endlich zu den Delphinen. So richtig schwimmen konnte man nicht mit ihnen. Zum einen konnte man unter Wasser kaum etwas sehen und zum anderen wurden die Delphine mit Fisch angelockt und sind dann schnell wieder weggeschwommen.

Anschließend hatte ich noch etwas Zeit, um nochmals durch den Ort zu schlendern und die Tiere im Hostel zu beobachten bevor es am nächsten Tag zurück nach Rio ging.

Manaus scheint ein Ort zu sein, wo sich Politiker der anliegenden Länder wohl gelegentlich mal treffen. Zumindest waren zu meinem Abflug drei Regierungsmaschinen am Flughafen. In Rio bin ich dann zum Sonnenuntergang auf dem Flughafen in der Stadt gelandet, was mir einen tollen Blick und einen kurzen Weg zu Ronjas Wohnung bescherte.

Da mein nächstes Reiseziel Argentinien war und ich bis dahin noch etwas Zeit zur Verfügung hatte, habe ich geschaut, wo ich auf dem Weg nach Argentinien noch einen Zwischenstopp machen kann. Dabei bin ich im Internet auf Curitiba gestoßen, wo es eine Möglichkeit gibt, auf einer Bahnstrecke eine tolle Aussicht zu genießen und durch altes Goldgräberland zu fahren. Eigentlich wollte ich noch einen Ausflug nach Ouro Preto einschieben, weil mir das von Freunden empfohlen wurde. Aber nachdem der Kauf der Busfahrtkarte sich als schwierig herausstellte, wurde es mir dann zu stressig und ich bin etwas früher mit dem Bus nach Curitiba gefahren. Dort stellte sich bei meiner Ankunft und einem direkten Wechsel des Hostels heraus, dass zufällig GreenDay genau an diesem Abend nur ein paar Blocks entfernt vom neuen Hostel spielt. Und es gab sogar noch Karten, wenn auch ziemlich teuer. Aber bei soviel Zufall musste ich natürlich zum Konzert, zumal ich im Hostel gleich ein paar nette Leute kennengelernt habe, die mir geholfen haben und mich zum Konzert mitnahmen. Im Hostel gab es vorher sogar noch kostenlose Caipirinhas. Was will man mehr. Das Konzert war toll, auch die Vorband und obwohl ich von der langen Busfahrt die Nacht vorher noch etwas müde war, hatte ich viel Spaß.

Die Stadt Curitiba selbst hat nicht so super viel zu bieten. Auffällig war für mich, dass es viel sauberer war und es auch nicht so viele verfallene Häuser gab wie in den anderen Städten, wo ich vorher war. Ich habe mich auch wesentlich sicherer gefühlt und bin freier herumgelaufen. Curitiba wirkte auf mich schon fast europäisch. Nicht weit entfernt gibt es auch einige deutsche Siedlungen wie Blumenau. Vielleicht hat es auch damit zu tun. Ungewohnt für mich war auch der Frühling. Statt Herbst erlebte ich nun den zweiten Frühling im Jahr.
Die Haupt-Attraktion ist die Zugfahrt über die Berge Richtung Meer. In ca. vier Stunden ging es mit 27 Wagen und gemäßigtem Tempo durch eine wundervolle Landschaft mit Pinienwäldern, über mehrere Brücken, durch diverse Tunnel und vorbei an einem Wasserkraftwerk. (In neun Stunden kann man die Strecke wohl auch wandern, mit dem Auto braucht man anderthalb Stunden.) Da die einfachen Zugfahrkarten ausverkauft waren, musste ich mit der etwas luxuriösen Variante Vorlieb nehmen. Aber manchmal muss man halt Kompromisse machen.

In Morretes angekommen ging es weiter mit dem Minibus. Erstmal mussten örtliche Spezialitäten eingekauft werden – die Region ist bekannt für ihre Bananenbonbons. Und dann ging es Richtung Meer nach Antonia, einem kleinen süßen Städtchen. Nach einem Mittag mit örtlichen Spezialitäten (hauptsächlich ein Gericht aus Rindfleisch, was über mehrere Stunden geschmort und dann mit Banane gegessen wird), gab es noch eine kleine Stadtbesichtigung in Morretes und einen Besuch im Miniaturenmuseum, wo die Geschichte der Region (Goldgräber, Bau der Eisenbahn und eines riesigen Staudamms) und die Iguazu-Wasserfälle im Kleinformat dargestellt wurden.

Von Curitiba aus ging es wieder mit dem Bus über Nacht weiter Richtung Argentinien nach Iguazu zu den beeindruckendsten Wasserfällen. Ich hatte die Wasserfälle dort schon vor einigen Jahren gesehen, aber da ich es so toll fand und es auf dem Weg lag, habe ich nochmals einen Stopp dort eingelegt. Diesmal war das Wetter toll und ich konnte sogar die Regenbogen vor den Wasserfällen sehen. In Brasilien sagt man, in Argentinien sind die besten Wasserfälle, aber die beste Sicht habe man von Brasilien aus. Und da ist durchaus was dran. Auf der brasilianischen Seite gibt es auch mehr Wanderwege. Man sollte sich also beides ansehen. Auf der argentinischen Seite fährt man zunächst mit der Bahn (man kann auch laufen) zum Teufelsschlund, was der beeindruckendste Wasserfall ist. Man kann dann dort noch etwas wandern und andere Wasserfälle sowie andere Blickwinkel entdecken. Wer mag, kann auch mit dem Boot ganz dicht an Wasserfälle heranfahren. Ich habe zugunsten einer Wanderung darauf verzichtet. Wenn man Glück hat, kann man auch ein paar Tiere entdecken. Wir haben zum Schluß sogar noch einen Tucan gesehen, den ich aber nicht in guter Qualität fotografieren konnte. Hier sind übrigens die Menschen im Käfig statt der Tiere.

Auf der brasilianischen Seite hat man dann noch einige weitere Wasserfälle, aber vor allem einen weiten Panoramablick und einen Sonnenuntergang über dem Iguazu-Fluß zum Abschluss.

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