Meine erste Station in Argentinien war Puerto Iguazu. Um die Wasserfälle zu sehen ging es nochmal hin und zurück nach Brasilien (siehe Beitrag zu Brasilien). Aber von Puerto Iguazu auf der argentinischen Seite kann man auch schnell mit einer Fähre nach Paraguay übersetzen. Natürlich gibt es auch viele Ausflugsangebote für Touristen und die Einheimischen bzw. andere Personen aus Lateinamerika fahren gern dorthin, weil hochwertige Technik da billiger zu kaufen ist. Da mir weder nach Technikeinkauf noch nach einer Bootstour mit Musik und guter Laune war, hab ich mich für die Fähre und eine kurze Wanderung zum Aussichtspunkt Tres Fronteras (Drei Grenzen) entschieden. Von dort hatte man einen guten Überblick über den Fluss und alle drei Länder. Die Grenzübergänge waren interessant organisiert. Die Passkontrolle fand in Containern statt und zur Gepäckkontrolle hat man den Rucksack an der Seitentür von einem Transporter reingeschoben und auf der anderen Seite, wenn man einmal ums Auto rum ging, kam er wieder raus. Sowas hatte ich bisher noch nicht gesehen.
Der Ort Puerto Iguazu selber ist sehr touristisch mit vielen Restaurants und Cafés und sogar einem Hard Rock Café. Abends hat man eine tolle Sicht auf den Sonnenuntergang und den Iguazu-Fluß mit allen drei Ländern.












Von Iguazu aus ging es mit dem Nachtbus nach Rosario, der Geburtsstadt von Messi und dem Wohnort von Nuria, die vor einigen Jahren als Austauschschülerin für ein Schuljahr in meiner Familie gelebt hat.




Rosario ist eine schöne Stadt, die vor allem als Geburtsort von Messi und für Eiscreme bekannt ist. Sie ist die drittgrößte Stadt in Argentinien. Es gibt mehrere Häfen und viele Vereine für Wassersport und Angeln am Paraná Fluss. Man kann stundenlang am Flussufer entlang spazieren oder auch an einem der Strände baden gehen. Da es gerade erst Frühlingsanfang war und noch nicht so warm, haben wir Letzteres auf ein anderes Mal verschoben. Ansonsten habe ich natürlich auch viel Zeit mit der Familie verbracht und weniger mit Sightseeing. Gemeinsam Empanadas machen, spielen und grillen war auch viel toller. Das Haus von Messi und ein paar andere Plätze habe ich natürlich trotzdem noch gesehen. Ich hatte besonderes Glück, dass ich die Gelegenheit hatte, eine Vorstellung im wunderschönen Theater zu besuchen. Aufgrund von Stromausfall war das Ende zwar etwas früher als geplant, aber so konnte ich nicht nur Theater und Tango, sondern auch einen wohl nicht untypischen Stromausfall erleben. Aufgefallen ist mir besonders, dass die Cafés und Bars hier ständig gut besucht waren. Montagmorgens zum Frühstück war es nirgends leer.




















Weiter ging es dann in die Hauptstadt nach Buenos Aires. Ich hatte Glück und bin privat mitten im Stadtzentrum untergekommen, so dass ich von dort gut zu Fuß die Gegend erkunden konnte. Das Theater ist weltweit berühmt. Leider war hier gerade keine Vorstellung, so dass ich es nur im Rahmen einer Führung besichtigen konnte. Ich habe auch die Gelegenheit genutzt, ein typisches argentinisches Frühstück in einem traditionellen Café zu genießen, mit der U-Bahn zu fahren und eine organisierte Fahrradtour mitzumachen.


























Die Fahrradtour führte in den Süden der Stadt in den Stadtteil Boca, an der russisch-orthodoxen Kirche und dem Uruguay-Denkmal sowie am berühmten Boca-Stadion vorbei zum Caminito. Auf dem Rückweg ging es durch ein Naturschutzgebiet mit Moorlandschaft, dann ins Zentrum zum Rosa Haus des Präsidenten und dem Platz des Mai davor, wo immer Demonstrationen stattfinden. Wir hatten Glück und konnten die Soldaten auf dem Weg zur Wachablösung am Mausoleum von General San Martin beobachten.


















Ich hatte noch eine Liste mit Orten, deren Besichtigung mir empfohlen wurde und habe mich dann nochmal eigenständig auf den Weg gemacht, um die Stadt weiter zu erkunden. Ein Besuch des Museums für moderne Künste lohjt sich auf jeden Fall und kostet wie viele andere staatliche Museen keinen Eintritt. Gleich in der Nähe ist das große Gebäude der juristischen Fakultät mit einer eigenen U-Bahn-Station und einer interessanten bunten Brücke. Auf dem Rückweg bin ich an mehreren Oldtimern direkt an der Straße vorbei gekommen. Da muss in einem der Hotels wohl ein Treffen stattgefunden haben.












Während der Fahrradtour hatte mir die Gegend um die Brücke der Frauen besonders gefallen, so dass ich nochmals mit etwas mehr Zeit dorthin gelaufen bin. Die Gegend hat mich ein wenig an den Stadthafen mit den Restaurants und Kränen erinnert, hier natürlich in einem anderen Ausmaß. Besonders gefreut habe ich mich, als ich die alten Kräne vom VEB Kranbau Eberswalde entdeckt habe. Auf der Brücke der Frauen gab es sogar eine Tango-Vorführung und angeblich tragen auf der einen Seite alle Straßen im Viertel die Namen von Frauen.








Am letzten Tag wurde ich von meinem Gastgeber, bevor es wirklich nach Tucuman ging, zu einer Veranstaltung in das Haus Tucuman eingeladen. In Vorbereitung auf ein großes Volksfest in Tucuman gab es eine Präsentation mit Kunst und Kultur und regionalen Spezialitäten. Die Veranstaltung hat etwas länger gedauert als geplant, so dass ich es nicht mehr zur wöchentlichen Demonstration der Madres de Plaza de Mayo, einer wichtigen Menschenrechtsorganisation in Argentinien, geschafft habe. Zum Besuch des bekannten Friedhofs La recoleta mit den Gräbern von Evita und vielen anderen Persönlichkeiten hat die Zeit zum Glück noch gereicht.




















Und dann ging es wirklich nach Tucuman – wieder mit dem Bus über Nacht. Tucuman ist für die Geschichte von Argentinien besonders wichtig, weil hier die Unabhängigkeitsurkunde unterzeichnet wurde. Außerdem kommt Mercedes Sosa, eine sehr bekannte Sängerin, von dort. Mein Sohn Teo hat dort ein Austauschjahr verbracht und nachdem ich schon einmal dort war, wollte ich dessen Gastfamilie besuchen. Ich wurde herzlich empfangen und zu verschiedenen Aktivitäten eingeladen. Gleich nach meiner Ankunft gab es die besten preisgekrönten Empanadas und Tamales – zwei Spezialitäten, für die Tucuman besonders bekannt ist, und Abendessen auf dem Berg im Dschungel. Am nächsten Abend fand die Abschlussfeier der Kulturtage mit einem Gesangswettbewerb und einem Wettbewerb für die besten Milanesa-Sandwiches statt und anschließend ein Konzert in einem alternativen Kulturzentrum.
















Am Tag darauf durfte ich gemeinsam mit einem Verein von Leuten Sizilianischer Herkunft in einer Schule mit Italienischunterricht kochen und backen. Außerdem gab es noch Ausstellungen und Ausflüge in die Berge mit Ausblick auf die Stadt und zur Christus-Statue. Ingesamt war es eine sehr ereignisreiche Zeit, für die ich allen danken möchte, besonders Belen.














Da ich schon einmal nördlich von Tucuman gereist bin, habe ich mich entschieden, diesmal weiter in den Süden zu fahren nach Mendoza. Die Region ist überwiegend Wüste und es regnet sehr selten und wenn, dann meist nur im Sommer. Aber Dank der Schneeschmelze in den dahinterliegenden Anden und eines ausgeklügelten Bewässerungssystems, was das Wasser aus dem Fluß in weite Gebiete leitet, gibt es einige Oasen. Die Region ist besonders bekannt für guten Wein und Olivenöl und als Tor zu Chile. Bereits vor der Kolonialzeit haben die einheimischen Huarpes Bewässerungskanäle, sogenannte Acequias, für die Landwirtschaft geschaffen. Diese sind auch heute noch zu finden und dienen in der Stadt Mendoza an allen Straßenrändern zur Versorgung der Bäume, die das Leben in der Start erst möglich machen. Wenn man durch die Straßen läuft und vor allem, wenn man aus dem Auto aussteigt, muss man immer aufpassen, dass man nicht aus Versehen in einem dieser Gräben landet.














Die grüne Lunge der Stadt bildet ein riesiger alter Park, in dem die Einheimischen gern joggen oder sich einfach auf der Wiese ausruhen und Picknick machen und natürlich Mate trinken. Wer mag, kann auf den Berg auf ca. 1000m Höhe steigen oder fahren und die Aussicht von dort genießen sowie das Denkmal Cerro de la Gloria besichtigen.








Natürlich sollte man auch einen Ausflug in die Berge und zu den Weingütern unternehmen. Am besten geht das sicher mit dem eigenen Auto. Aber wenn man nicht selber fahren mag oder vor allem auch den Wein verkosten möchte, kann man sich auch einer organisierten Tour anschließen. Das Highlight ist vor allem die Fahrt durch die Berge selbst auf der Strecke durch die Anden Richtung Chile. Auf dem Weg gibt es einige schöne Aussichtspunkte sowie Brücken und Tunnel und eine alte Bahnstrecke, die allerdings nicht mehr in Betrieb ist. Sehenswert ist vor allem die Inka-Brücke mit dem Heilbad und der Ausblick auf den höchsten Berg der Region, den Cerro Acongagua nur wenige Kilometer von der chilenischen Grenze entfernt. Brad Pitt Fans kennen die Landschaft vielleicht aus dem Film „Sieben Jahre in Tibet“, der hier gedreht wurde. Wir haben in dem Hotel, in dem Brad Pitt während der Dreharbeiten gewohnt hat, Frühstück gegessen.














Es gibt viele verschiedene Weingüter in der Region und auch Olivenplantagen, die man besuchen kann. Oft wird neben Führungen selbstverständlich auch eine Verkostung angeboten.














Das erste Mineralwasser Argentiniens kommt ebenfalls aus der Region. Früher wurden mit dem Wasser und den Thermalquellen Touristen in das Hotel Villavicencio einschließlich Parkgelände gelockt. Heute steht es leer, kann aber noch wie auch das umliegende Reservat besichtigt werden. Im Park gibt es mittlerweile einen Kletter-Parcours und Ziplines für die Abenteuerlustigen. Da am Tag unseres Ausflugs gerade einer der häufiger vorkommenden Zonda-Stürme herrschte, waren einige Anlagen geschlossen. Wenn man Glück hat, so wie wir, kann man auch ein paar einheimische Tiere sehen, wie z.B. die Huanakos (Lamas).














Auf der Suche nach einer Option, den letzten Tag nach dem Auschecken bis zur Abfahrt des Busses am späten Abend zu verbringen, bin ich auf die Thermalquellen in Cacheuta gestoßen und konnte so vor der Abreise noch einen entspannten Wellnesstag verbringen. Die argentinischen Familien kommen auch hierher, um zu grillen. Entsprechend viele Grillstellen gab es. Aber zum Glück war es an diesem Tag nicht so voll.






Nach Mendoza ging es weiter nach Cordoba mit dem Nachtbus. Ich habe dort ein paar Tage verbracht, bevor ich in der nicht weit entfernten Stadt Agua de Oro die Gastfamilie meines Sohnes besucht habe. Córdoba hat viele alte Kirchen, Häuser und Museen. Wie meistens habe ich mir zunächst mit einer Free Walking Tour einen ersten Eindruck verschafft. Cordoba ist die zweitgrößte Stadt in Argentinien und ist mit der ältesten Universität des Landes sehr beliebt bei Studierenden, was man am Flair merkt. Man kann gut einfach durch die Gegend bummeln und überall interessante Sachen entdecken und in netten Cafés ein Päuschen machen. Es gibt u.a. eine Kathedrale, ein super schmales Haus, ein Museum für die verschollenen Personen der Diktatur, diverse gute Kunstmuseen und einen Tunnel unter der Hauptstrasse, der ein altes Kirchenfundament beinhaltet. Die Kirche wurde nie fertiggestellt und das Fundament später einfach überbaut. Besonders beeindruckend war auch das Hostel in einem alten Gebäude.






















Im Umland von Cordoba, in Agua de Oro, habe ich etwas Zeit im tollen Garten von Paola und Gustavo verbracht und die Blüten der Königin der Nacht bewundert. Auf ein paar Ausflügen in die Berge und zu Kunsthandwerkermärkten und einem Alfajores-Fest (berühmte traditionelle “Kekse”) konnte ich diverse regionale Spezialitäten genießen. Das war ein schöner Abschluss meiner Zeit in Argentinien bevor es weiter ging nach Mexiko. Danke dafür an die Beiden!



















